Wasserkraft ist nicht gleich Wasserkraft

Pumpspeicherkraftwerk (SES)(ses/zürich) Die Axpo baut in Glarus das neue Pumpspeicherkraftwerk Linth-Limmern und verspricht mehr Strom und Klimaschutz. Die Schweizerische Energie-Stiftung SES stellt sich heute gegen den Ausbau der Pumpspeicherwerke. Denn Pumpspeicherkraftwerke brauchen mehr Strom als sie produzieren und belasten das Klima.

Wasserkraft ist saubere Energie. Doch das gilt nicht überall: Pumpspeicherkraftwerke fressen mehr Strom, als sie produzieren und sind ein Verlustgeschäft für Natur und Klima. Ausgerechnet diese will die Stromwirtschaft nun im grossen Stil ausbauen. Aber mit «Ausbau der heimischen Wasserkraft» hat Pumpspeicherung nichts zu tun.

Teurer Etikettenschwindel
Zwischen traditionellen Wasserkraftwerken und Pumpspeicherkraftwerken besteht ein wichtiger Unterschied: Pumpspeicherkraftwerke gewinnen den Strom nicht aus natürlichen Zuflüssen, sondern sie pumpen es nachts und an Wochenenden von tiefer gelegenen in höhere Speicherseen hinauf. Im Kanton Glarus – so das Axpo-Projekt – vom Limmernsee in den Muttsee. Der Etikettenschwindel: Solche Kraftwerke brauchen mehr Strom, als sie liefern. Das Pumpen benötigt 20 bis 25 Prozent mehr Strom, als erzeugt werden kann.

Nur scheinbar klimafreundlich
Konkret bedeutet das im Falle des Axpo-Projekts Linth-Limmern: Die 1500 Gigawattstunden (GWh) produzierte «Wasserkraft» benötigt jährlich 2000 GWh Pumpstrom, die wiederum 800 000 Tonnen CO2-Emissionen verursachen (Euromix Strom). Die Absicht der Energiekonzerne ist weder Klimaschutz noch die Produktion von sauberem Strom, sondern die Veredelung von dreckigen Kohle- oder giftigem Atomstrom. Grosse Stromkonzerne kaufen ihn billig aus dem Ausland ein, waschen ihn mittels Pumpspeicherkraftwerken sauber und verkaufen ihn teuer zu Spitzenzeiten weiter.

Die SES appelliert an die Glarner Bevölkerung, aus diesem ökonomisch wie ökologisch fragwürdigen Geschäft auszusteigen und den Kredit an der nächsten Landsgemeinde zu verweigern.

Broschüre zum Thema




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9 Kommentare

  1. meerwind7 sagt:

    Atom- und Kohlekraftwerke laufen eh’ nicht mehr lange.
    Die Pumpspeicherkraftwerke werden dann mit preiswertem Strom aus Solar- und Windenergie gefüllt und bei Nacht bzw. Flaute teurer weiterverkauft – ist doch nur sinnvoll.

  2. E. Hauer sagt:

    Wenn es möglich ist, die Industrie von Ihrem Rhythmus (Morgen, Mittagspause, Abend, Nacht, Wochenende) zu befreien, und sie vielleicht nur mehr geringe jahreszeitliche Schwankungen hat, kann man auch auf Pumpspeicherwerke verzichten. Auch die Gastronomie und die zahlreichen Hausfrauen können ihre Herde nicht gleichmäßig über den Tag auslasten. Die thermischen Kraftwerke haben eine geringe Laständerungsgeschwindigkeit und können dem Bedarf nur langsam folgen. Außerdem hat ein rascher Lastwechsel eine schnellere Alterung der anlagentechnischen Komponenten zur Folge. So sind die Pumpspeicherwerke erforderlich um den überschüssigen Strom zu verbrauchen und bei Bedarf wieder zur Verfügung zu stellen.
    Auf grund der exakten Netzfrequenzregelung ist es möglich, die zahlreichen Radiowecker mit der Netzfrequenz zu betreiben, ohne dass es zu Abweichungen kommt. In zahlreichen außereuropäischen Ländern ist dies nicht möglich, da derartig exakte Regelmechanismen nicht zur Verfügung stehen.
    Es ist auch verständlich, dass der Strom (genauer: elektrische Energie) am Wochenende oder in der Nacht billiger ist, also in Zeiten, in denen nicht so viel Bedarf ist.

  3. Pumpspeicherkraftwerke können neben der sehr wertvollen Stromproduktion auch zum Hochwasserschutz beitragen und bei Niedrigwasser die für die Flußschifffahrt erforderliche Wassermenge in den Wintermonaten garantieren. Z.B. bei der Donau-Tirol-Adria-Schiffspassage mit dem AlpenKanalTunnel, der die Flüsse Inn und Etsch verbindet. In diesem wird die Wasserkraft direkt dazu verwendet, das Wasser im Kanal in Strömung zu versetzen, worauf Schiffe durch den Kanal hindurchgetragen werden, also ohne Räder und mit Wasserkraft durch die Alpen hindurch. In Italien geht es nun auch darum, keine Atomkraftwerke mehr bauen zu müssen und das allein schon gibt der Wasserkraftnutzung größere Bedeutung. Je sinnvoller der Konsument mit dem Strom umgeht, desto sinnvoller sind Wasserkraftwerke.

  4. Kurt Sörensen sagt:

    Es tut mir leid, aber “Linthal 2015 würde eigentlich “nur+ 1 Milliarde Franken kosten, nicht 2,1 Milliarden. Der Unterschied erklärt sich daraus, dass die Umweltverbände “ökologische Ausgleichsleistungen” gefordert haben, womit das Konzessionsgesuch in Bern beim UVEK erst zugelassen wurde. Daraufhin haben die Ersteller die Kosten gleich auf 2,1 Mia. “hochgerechnet”, denn “Bern” soll ja (mit ca. 30% Beteiligung) möglichst viel konkrete Knete bezahlen. Selbstverständlich handelt es sich bei diesem Deal wieder mal um einen riesigen Betrug. Höhere Strompreise sind die Folge, sonst nichts.,

  5. Silvio Mehri sagt:

    @Meiers:

    Ja, viele kleine Produzenten wären auch gut, wenn es dafür erstens die richtige Technik/Quelle gibt (bis jetzt keine tolle Alternative)und zweitens die Netzschwankungen kontrollierbar bleiben (Netzexperten sagen leider nein).

    Viele VW-Motoren als Mini-Kraftwerke zu verwenden – wie jüngst diskutiert – finde ich jetzt nicht das Ei des Kolumbus: Abgase.

    Kleine Kompogas-Kraftwerkli für den Hausgebrauch oder im Verbund wären noch gut… Oder etwas mit Holz, ist ja CO2-neutral… aber die Hammer-Alternative kenne ich noch nicht.

  6. F. Meier sagt:

    @de_meier. Wie meinen Sie, mit dezentraler Versorgung die Unterproduktion kompensieren? Mit dem “LichtBlick-ZuhauseKraftwerk” könnte man dies zum Beispiel tun. Vielleicht sollte man sich einmal Gedanken darüber machen, ob Gaskraftwerke wirklich so schlecht sind, wie man hie und da behauptet. Zur Produktion von Regelenergie sind sie sicher nicht schlecht. Und ich bin mir sicher, das ZuhauseKraftwerk ist nur eines der möglichen Konzepte.

    Anstatt neue Grosskraftwerke zu bauen, müsste man dann allenfalls in ein intelligentes Netz investieren. Aber eben, Pumpspeicherkraftwerke bringen richtig Gewinne…

  7. de_meier sagt:

    Wirtschaft hin oder her, was mehr Energie kostet als es produziert gehört gerade in unseren Zeiten abgeschaltet. Vor diesem Hintergrund sind alle Diskussionen über Energieeffizienz nur noch lächerlich.
    Ich verstehe nicht weshalb mit dezentraler Stromerzeugung die Unterproduktion kompensiert werden soll. Besser wäre doch eine dezentrale Erzeugung direkt für den Endverbrauch und ohne den Zwischenschritt über ein energetisch unrentables Kraftwerk

  8. F. Meier sagt:

    @ Mehri. Dann stellt sich natürlich die Frage, weshalb man nicht mit vielen dezentralen Kraftwerken gerade soviel produziert, wie benötigt wird, bzw. die Über- und Unterproduktion in einem vernünftigen Rahmen hält…

    Aber stimmt schon, ich sehe das mit den Pumpspeicherkraftwerken genau so – immerhin sind sie ein Garant für fette Gewinne.

    Nur etwas: Ich weiss nicht, was genau die Kriterien für die KEV sind, hoffe aber, dass der Ausbau eines Pumpspeicherkraftwerks nicht davon profitiert. Trotz Wasserkraft, viel mit erneuerbarer Energie hat es schliesslich nicht zu tun.

  9. Silvio Mehri sagt:

    Dass die SES dermassen gegen den Ausbau von Pumpspeicherwerken wettert, verstehe ich nicht… Strom kann man nun mal nur schwer speichern oder zwischenlagern. Es muss immer gerade soviel ins Netz fliessen, wie abgenommen wird.

    Wenn die Schweiz die topografischen Vorteile nutzen und diese Megabatterien bauen kann, ist mir das Speichern mit Verlust lieber, als das teuerere Einkaufen von Spitzenstrom unklarer Herkunft im Ausland.

    Und wenn Axpo damit ein gutes Geschäft macht, find ich das auch gut. Schliesslich gehört das Unternehmen den Kantonen, liefert gute Gewinne in die Kantonskassen ab, ohne ihren Managern Abzockerlöhne zu zahlen.

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